Überstanden
30. März 200912.00 Uhr im Wartezimmer. Ein kleines Mädchen von etwa 14 Monaten sucht sich Spielsachen aus der Kiste in der Ecke und schleppt sie nacheinander zu Mama, die in eine Lektüre vertieft ist. Ich habe bereits Schmerz- und Beruhigungsmittel bekommen, die keine Wirkung zeigen, weil ich weder Schmerz empfinde noch aufgeregt bin. Dann hör ich meinen Namen. In der Tür steht mit einem freundlichen Lächeln die Anästhesitin. Sie begleitet uns in den Aufwachraum, erklärt uns noch einmal alles Wesentliche, stellt mir einige Fragen. Meine einzige Frage “Kann ich während der Narkose aufwachen?” wird mit der unerwarteten Gegenfrage ”Möchten Sie das?” beantwortet und ich bin beruhigt. Wir haben uns verabschiedet und gesagt “Bis dann…”. Gelassen betrat ich den OP, legte mich hin, sah meine beiden Blutkonserven (für den Fall der Fälle) vor mir hängen und wurde auf meine Blässe angesprochen und ich erklärte, dass ich die Eisentabletten ja 3 Monate..äh 3 Wochen..nein, 3 Tage vorher absetzen sollte. “Da ist wohl jemand nervös?” kichert es aus der anderen Ecke. Die Arzthelferinnen haben endlich was zu Lachen an Ihrer Arbeit und ich drohe Ihnen im Spaß mit Rache, wenn ich wieder wohlauf bin während die Narkoseschwester eine Kanüle an meinem Unterarm befestigt…
Ich bewege mich nervös auf einer Liege. Mir ist kalt. Ich atme schwer und friere. Ich höre Stimmen um mich herum.. Ich höre deine! “..hey,…Mäusl…es ist alles gut gegangen…” Ich bin froh, dass du da bist. Will dich so gern ansehen, bekomme die Augen aber nicht auf. Ich kann mich nicht mitteilen. Kann es kaum glauben, dass ich das gewagt habe. Später werde ich aufgerichtet und man zieht mir das Oberteil meines blauen Satin-Pyjamas an. Ich muss husten und werde auf die Seite gelegt, erbreche eine Menge Blut auf den Boden.. und die Kleidung samt Schuhen der Anästhesistin, wie ich am nächsten Tag erfahre. Als der Krankenwagen da ist, bemühe ich mich blind und wie in Trance auf eine andere Liege zu hangeln. Endlich bekomme ich eine warme Bettdecke. Ich werde in den Krankwagen geschoben, öffne mühseelig meine Augeneinen Spalt und sehe dich vor mir. Du siehst besorgt aus und ich kann jetzt nicht bei dir sein. Du hast mir so leid getan…
Von zwei jungen Männern werd ich in ein Krankenhaus überliefert. Ich bin müde, bekomme kaum etwas mit. Ich werde angesprochen, dass wir angekommen sind. Über eine hollbrige Türschwelle in den Aufzug geschoben, merke ich, wie mir Blut aus der Nase läuft. Es bestätigt sich, als ich es wegwischen will. Auf dem Gang vorm Schwesternzimmer höre ich Jemanden sagen “Das sieht aber brutal aus..” und werde in ein Einzelzimmer geschoben. Schwestern kümmern sich seitdem und die ganze Nacht über rührend um mich, bringen Kühlpax, schalten über Nacht das Licht im geöffeneten Badezimmer an, damit ich mich besser fühle. Ich versuche zu Schlafen bin aber ständig unruhig und die halbe Nacht munter. Durch das Fenster vom Bett aus sehe ich einen rot angestrahlten Kran. Auf der Fensterbank stehen Tulpen in einer Glasvase. Ich liebe Tulpen und fühle mich ein wenig wohler. Ich denke an dich, was du wohl gerade zu dieser und jener Zeit machen würdest und wie mir das alles so leid tut…